Die Geschichte des Karate

Karate ist eine Kampfkunst, die es schon sehr lange gibt. Die Menschen mussten sich oft ohne Waffen gegen wilde Tiere, aber auch gegen menschliche Angreifer behaupten. Dadurch wurden sie gezwungen, besondere Techniken zur Verteidigung zu entwickeln.

Die Anfänge des heute auf der ganzen Welt beliebten Karate lassen sich bis nach China zurückverfolgen. Als Entstehungsort der alten chinesischen Kampfkunst ist das buddhistische Kloster „Shaolin“ bekannt. Von dort begann seine Verbreitung in alle Kontinente.

Karate ist nicht nur Kampfkunst zur Selbstverteidigung, sondern auch als Training für Körper und Geist geeignet.

Die Anfänge

Die Geschichte beginnt im Jahre 523 nach Christus. Die Legende berichtet:

Daruma Tashi

Der indische Mönch Daruma Tashi, auch Bodhidarma genannt, verließ seine Heimat Kanchi Puram im Süden von Indien und reiste nach China, um dort die Lehre des Buddhismus zu verbreiten. Er unternahm völlig alleine diese lange und gefährliche Reise über den Himalay, die selbst heute sehr schwer zu bewältigen ist.

INFO: Der Himalaya (Wohnsitz des Schnees) ist das höchste und größte Gebirge der Welt. Es gibt dort mehr als 30 Gipfel die höher als 7600 Meter sind. Es erstreckt sich über eine Länge von über 2500 km.
Das Himalaya-Gebirge gehört mehreren Staaten wie Indien, Nepal, Pakistan, Buthan, China.
Höchster Berg ist der Mount Everest (8848 Meter).

Als Daruma Tashi ein paar Jahre später im Shaolin-Kloster in China, genauer in der Provinz Henan eintraf, rief er dort eine große Begeisterung für hartes Training von Körper und Geist hervor.

Die Mönche waren körperlich schwach.

Ihr Tagesablauf bestand eigentlich nur aus betteln und Meditation. Tashi überzeugte die Mönche, aufgrund ihrer körperlich schwachen Verfassung, neben ihrer geistigen Anstrengungen auch noch den Körper zu stärken. Die Übungen stärkten die Mönche und führten sie auf einen neuen Lebensweg.

Die Mönche wurden gesünder und körperlich stärker und konnten sich somit auch wirkungsvoll gegen Feinde und Räuberbanden schützen. Dadurch wurde im Laufe der Zeit aus gymnastischen Übungen eine Kampfkunst zur Selbstverteitigung. So kam es auch das die Mönche des Klosters Shaolin den Ruf hatten die besten Kämpfer in China zu sein.

INFO:  Buddhismus zählt zu den größten Weltreligionen und wurde vor mehr als 2000 Jahren von Siddharta Gautama begründet, dem späteren Buddha der Religion.
Es gibt weltweit über 400 Millionen Buddhisten.

Im Jahr 1647 n.Chr. wurden die Shaolin-Mönche vom chinesischen Kaiser um militärische Hilfe gebeten. Die Mönche verrichteten den Dienst hervorragend, wie sich hinterher herausstellte zu hervorragend. Der chinesische Kaiser fühlte sich von einer so großen Gruppe von Menschen mit außergewöhnlichen Kampfkünsten bedroht, worauf er das Kloster der Shaolin zerstören ließ. Darauhin zerstreuten sich die Mönche in alle Himmelsrichtungen und unterrichteten die Lehre ihrer kämpferischen Fähigkeiten.
 

Seit wann existiert das Shaolin-Kloster?

Das Shaolin-Kloster gab es schon vor Daruma Taishi. Eine Gruppe von jungen Mönchen suchte im 3.Jahrhundert v.Chr. auf dem Berg Songshan Zuflucht vor Verfolgern. Sie bauten einen Tempel, umgeben von Steinmauern, pflanzten in der Umgebung junge Kiefern und gaben ihm den Namen Shaolin, übersetzt bedeutet dies „junger Wald“.

 

Karate breitet sich aus

Das Shaolin-Kloster, in der Provinz Henan mitten in China, ist bis heute noch bekannt für seine Kampfkunst. Um das Kloster herum haben sich weit mehr als 50 Kampfsportschulen angesiedelt.

Das Kloster der Shaolin-Mönche betrachtet man als Entstehungsort der chinesischen Kampfkünste. Das Kloster wurde schon mehrfach zerstört, jedoch immer wieder aufgebaut.

Durch regen Reiseverkehr zwischen China und Okinawa erreichten die chinesischen Kampfkünste auch die Ryu-Kyu-Inseln im Pazifik. Diese Inselgruppe besteht aus mehr als 160 einzelnen Inseln mit der Hauptinsel Okinawa.

 

Die Entstehung des heutigen Karate.

Okinawa-te

In Okinawa hat das heutige Karate seinen Ursprung. Okinawa war zwischen Japan und China ein wichtiger Handelspunkt, so stand es mal unter japanischen, mal unter chinesischen Einflüssen, war aber bis zum Jahr 1875 unabhängiges Königreich.

Im Jahr 1479 gelang es König Sho Shin das Land nach langen politischen Unruhen und Machtkämpfen zu vereinigen. Um den Frieden innerhalb zu sichern, verbot er das Tragen von Waffen.

Sho Shin ließ alle Waffen einsammeln und auf sein Schloss nach Shuri bringen. Des Weiteren erließ er einen Befehl nach dem sich alle Mitglieder des okinawischen Adels in der Nähe der damaligen Hauptstadt Shuri niederlassen mussten.

INFO: Es gab einen Begriff in Japan für das Waffenverbot, Katanagari „Jagd nach Schwerten“.
Es war alles verboten was eine Klinge hatte. Jedem Dorf wurde nur ein Küchenmesser gestattet, welches streng bewacht an einer zentralen Stelle im Dorf befestigt war. Wer das Messer benötigte musste es sich ausleihen und wieder zurückbringen.
Die Konsequenz hiervon war das auf Okinawa zwei Schulen für Selbstverteidigung entstanden.

Die eine Schule, die waffenlose Kunst des Todes, wurde hauptsächlich vom Adel entwickelt und ausgeübt. Ein Merkmal dieser Schule war der Einsatz der Hand, besonders der geballten Faust. Die Landbevölkerung, Bauern und Fischer, entwickelten ein Waffensystem bei dem Werkzeuge und landwirtschaftliches Gerät zum Einsatz kam. Dreschflegel, Sichel, Paddel wurden zu tödlichen Waffen umfunktioniert - sogenanntes Kobudo.

Beide Kampfsysteme wurden unter sehr strenger Geheimhaltung praktiziert.

1609 wurde die Insel vom japanischen Satsuma-Clan besetzt, dadurch verlor Okinawa seine Unabhängigkeit. Das bestehende Waffenverbot wurde verschärft und bei Verstoß mit schweren Strafen geahndet. Zu dieser Zeit erfuhren die Kampfkünste Okinawas als Form der reinen Selbstverteidigung einen enormen Aufschwung.

Es wurden verschiedene Gemeinschaften gegründet. So entstand neben vielen geheimen Kampfkünsten auch das Karate. Zunächst hieß es jedoch Okinawa-te was so viel wie „Okinawa-Hände“ bedeutet. Auch wurde es immer noch im verborgenen und an geheimen Orten geübt.

Das Waffenverbot zur Friedenssicherung wurde damals von vielen Herrschern und Königen immer wieder ausgesprochen. Dadurch wurde die Selbstverteidigung mit bloßen Händen immer wichtiger.

Die vier großen Karatestilrichtungen


Der Shito – Ryu Stil

 

Kenwa Mabuni (1893-1957) war ein Schüler von ITOSU  und HIGAONNA. Aus den beiden Stilen entstand eine Synthese. Shorin-Ryu und Shorei-Ryu. Der neue Stil wurde nach den Initialen der beiden Lehrmeister benannt  Shito – Ryu. Shito – Ryu ist heute einer der vier größten Karatestile Japans.

 

Bedeutung der anderen drei großen Stilrichtungen


Der Goju-Ryu Stil

Der Name der Stilrichtung bedeutet wörtlich „hart-weich“. Goju-Ryu lehrt eine besondere Atemtechnik zur Entwicklung von Stabilität und Kraft.

 

Der Shotokan Stil

„Shoto“ war Funakoshis Künstlername der so viel wie „Das Rauschen der Kieferwipfel“ bedeutet. Das Trainingsdojo wurde im Jahre 1939 nach dem Künstlername Funakoshis benannt, also „Shotokan“. Dies wurde dann später auch die Bezeichnung für die Stilrichtung.


Der Wado-Ryu Stil

Wado bedeutet „der Weg des Friedens“. Hironori Ohtsuka fing 1922 mit dem Karatetraining bei Funakoshi an. Er hatte aber auch schon bei Kenwa Mabuni und Choki Motobu gelernt. Auch hatte er Einblick in das Shinto Yoshinryu Ju-Jutsu. Ohtsuka entwickelte den Stil indem er das Funakoshi-Karate mit den Ausweichbewegungen des Ju-Jutsu kombinierte, er entwickelte auch „körperfreundliche“ Bewegungen. Die Stellungen des Wado-Ryu Stiles sind kürzer und die Bewegungen sind kleiner.

 

Große Meister und ihre Stilarten

Funakoshi Gichin (jap. 船越 義珍; * 1868; † 1957) ist der Begründer des modernen Karatedo. Aufgewachsen in Naha, Okinawa, gilt er als Begründer des heute bekannten Karate im Shotokan- und Shotokai-Stil. Ihm ist es maßgeblich zu verdanken, dass die bis dahin im Geheimen trainierte Kampfkunst zu Beginn des 20. Jahrhunderts bekannt wurde und schließlich weltweit Verbreitung fand. Dabei betrachtete Funakoshi Karate nicht nur als Mittel zur Selbstverteidigung, sondern vielmehr auch als Werkzeug, um Körper und Geist zu vervollkommnen. Obwohl er nach eigenen Aussagen in der Kindheit eher klein und kränklich war, fing er im Jugendalter unter Meister Asato Yasutsune, einem Karate- und Schwertkampfmeister der Jigen-ryu, und unter Meister Itosu Yasutsune an, Okinawa-Karate zu erlernen. Funakoshi war beruflich als Hauptschullehrer tätig. Trotzdem stellte Karate seinen Haupt-Lebensinhalt dar. Er war sehr um die Verbreitung des Karate bemüht. Ihm gelang es, diese Kampfkunst in den Sportunterricht an der Schule zu integrieren.1922 reiste Funakoshi als Leiter einer Delegation aus Okinawa nach Tokio und stellte dort Karate erstmals der japanischen Öffentlichkeit vor. Aufgrund des großen Interesses blieb er in der japanischen Hauptstadt, um weiter zu unterrichten. Um sich seinen Lebensunterhalt zu verdienen, arbeitete er in Tokio als Hausmeister, Karatelehrer, Gärtner und Reinigungskraft. Erst nachdem es ihm gelang, Karate in Japan bekannter zu machen, konnte er sich auch von seiner Tätigkeit als Karatelehrer ernähren. Die von ihm vertretene Stilrichtung des Karate wurde von seinem Künstlernamen „Shoto“ (= Pinienrauschen), unter dem er Gedichte schrieb, und seinem ersten richtigen Dojo Shotokan abgeleitet. Funakoshi selbst lehnte es ab, sein Karate als eigenen Stil oder gar Shotokan-Karate zu bezeichnen. Für ihn gab es nur „ein“ Karate. Es waren seine Schüler, die das Karate ihres Lehrers von dem Karate anderer Schulen abgrenzen wollten. Zeit seines Lebens folgte Funakoshi einem strengen Ehrenkodex. So lehnte er es zum Beispiel ab, „schmutzige“ Worte wie Socke oder Toilettenpapier zu benutzen. Auch war Funakoshi ein sehr friedfertiger Mann, der versuchte, den Kampf wann immer möglich zu vermeiden. So gab er zum Beispiel einmal Dieben den Kuchen, den er als Opfergabe für seine Ahnen vorgesehen hatte, nur um den Konflikt mit den beiden ihm wahrscheinlich unterlegenen Männern zu vermeiden. Auch Funakoshi-Senseis Familienangehörige sind oder waren exzellente Karateka, u. a. die Schauspielerin, Sängerin und Geschäftsfrau Funakoshi Fane.

 

Yamaguchi Gogen (jap. 山口剛玄; * 20. Januar 1909 in Kagoshima; † 20. Mai 1989) war ein bekannter Meister des Karatedo. Yamaguchi lernte früh Judo und Kendo und gelangte über einen japanischen Zimmermann zum Karatedo, der ihn heimlich trainierte. Um 1932 wurde er Schüler von Miyagi Chojun, der die Stilrichtung Goju-Ryu begründete. Yamaguchi galt ab 1952 als offizieller Nachfolger von Miyagi. Wegen seiner geschmeidigen Bewegungen erhielt er den Spitznamen die Katze.


 
Mabuni Kenwa Soke (jap. 摩文仁 賢和; * 1889 in Shuri, Okinawa; † 1952 in Tokyo, Japan) war der Begründer der Stilrichtung Shito-Ryu und gilt neben Funakoshi Gichin und einigen anderen Meistern als „Vater“ des modernen Karatedo. Er gilt als einer der größten, wenn nicht sogar als der größte Experte auf dem Gebiet der Kata, da er 73 davon für seinen Stil zusammentrug und acht sogar selbst entwickelte. Im Alter von 13 Jahren kam Mabuni Kenwa zum ersten Mal mit dem Tode, dem Vorgänger des Karatedo, in Kontakt, als er mit dem Training des Shorin-Ryu unter Meister Itosu Yasutsune begann, wo er als erstes die Kata Naihanchi lernte. Sieben Jahre später wurde der mittlerweile 20 Jahre alte Mabuni von seinem Freund Miyagi Chojun, dem späteren Entwickler des Goju-Ryu, zu Meister Higaonna Kanryo gebracht, der ihm das Shorei-Ryu lehrte.

Nach Abschluss der Schule und Leistung des Militärdienstes trat Mabuni Kenwa 1912 der Polizei bei und wurde 1914 Inspektor. Zu dieser Zeit konnte er das Studium des Shorin-Ryu und Shorei-Ryu weiterführen, lernte jedoch auf berufsbedingten Reisen auch bei anderen Meistern, wie beispielsweise Aragaki, bei dem Mabuni Kenwa die Kata Unsu, Sochin und Niseishi erlernte. Bei Tawada Bushi (Krieger) lernte Mabuni auch den Umgang mit den Kobudo-Waffen Sai und Bo.

1924 gründete Mabuni Kenwa, zusammen mit seinen Schülern Chojun Miyagi, Kyoda, Motobu Choki, Hanashiro, Oshiro, Chosin Chibana und Go Kenki sein erstes Dojo. Mit diesen Meistern hatte er bereits 1918 die Okinawa Karate Kenkyu kai (Karate Studien Club) und später den Okinawa Karate Club gemeinschaftlich gegründet.1928 verließ Mabuni Kenwa nach dem Beispiel Funakoshi Gichins und Chojun Miyagis schließlich Okinawa und siedelte in Osaka an. Dort gründete er das Karate-Dōjō Yoshukan, aus welchem schließlich Mabunis Stil, das Shito-Ryu, hervorging, der 1931 offiziell von der Dai Nippon Butokukai als Karatestil anerkannt wurde.Mabuni hatte zwei Söhne, Mabuni Kenei und Mabuni Kenzo (1927-2005), die nach dem Tod ihres Vaters unterschiedliche Auffassungen des Shito-Ryu gründeten. Der Name Shito-Ryu ist, wie bereits erwähnt, eine Zusammensetzung aus den ersten Silben der Familiennamen der beiden Lehrer Kenwa Mabunis:

Itosu Yasutsunes (糸洲安恒) erstes Silbenzeichen, 糸, heißt übersetzt Faden und wird nach japanischer Lesung (Kun-Lesung) ito in sino-japanischer Lesung (On-Lesung) shi ausgesprochen.
Higashionna Kanryos (東恩納寛量) Name beginnt mit dem Zeichen 東, das für Osten steht und neben der Kun-Lesung higashi die On-Lesung to aufweist.

  

Otsuka Hironori (jap. 大塚博紀; * 1. Juni 1892 in Shimodate, Japan; † 29. Januar 1982), Begründer der Karate-Stilrichtung Wado-Ryu. Er ist der einzige Karateka, dem der Rang Meijin verliehen wurde.Otsuka Hironori war Sohn des Arztes für Innere Medizin Otsuka Tokujiro. Er besuchte die Mittelschule und begann im Alter von 13 Jahren Shinto-Yoshin-Ryu bei Matsuoka Tatsuo und Nakayama Tatsusaburo zu trainieren. Nach der Schule besuchte er die Handelsfakultät der Waseda-Universität in Tokio und arbeitete anschließend bei der Kawasaki-Bank als Bankkaufmann.1922 begann Otsuka Hironori mit seinem Karate-Training bei Funakoshi Gichin und ab 1936 übernahm er die führende Lehrtätigkeit u.a. beim Karate-Klub der Universität Tokio. Zu dieser Zeit entwickelte er seinen Stil Wado-Ryu und ließ diesen am 1. April 1939 bei der Dai Nippon Budoku Kai registrieren. Otsuka Hironori wurde 1972 von der IMAF-Kokusai Budoin der Rang des Meijin verliehen.

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